Haydns Papagei
Gedichte

128 Seiten
Klöpfer & Meyer, 2015

 

Ein Graupapagei, den Joseph Haydn in London erstand und nach Wien mitnahm, der den Anfang des »Kaiserliedes« nachplappern konnte und den Komponisten überlebte, die Goldberg-Variationen als Mittel gegen Schlaflosigkeit, Franz Schuberts Lektüre der Indianerromane von James Fenimore Cooper, Beethovens Konversationshefte, Amy Winehouse als tempelaustreibende Hintergrundmusik im Supermarkt: Susanne Stephan greift Aspekte von Musik und Komponistenleben auf, wie sie wohl nur von Gedichten zum Leuchten gebracht werden können. Und sie erkundet in weiteren Zyklen aber auch magische Orte in Italien oder taucht tief in eine Sechzigerjahre- Kindheit hinab.
 

»Ihre Gedichte sind scharf, sie kippen, sie tun sich plötzlich auf, wo man es nicht erwartet, sie schauen die Dinge verkehrt herum an, aber vor allem tun sie etwas, was nach aller Befreiung der Sprache, die wir hinter uns haben, mir als Segen erscheint: Sie bringen Gedanken zum Vorschein. Die Schönheit ihrer Gedichte liegt in der Freiheit, mit der sie zwischen verschiedenen Dimensionen umherstreift. Mitten im Leben beginnen ihre Gedichte, oft ganz lakonisch, bei Dingen, die wir kennen, dort beginnt sie ihre Streifzüge, aber von dort aus verläuft sie sich weit, manchmal bis an die Grenze des Todes, und setzt dann, ohne den Sprung zu verwischen, darüber hinweg.
Und dennoch ist, bei aller Schärfe des Blicks für die Endlichkeit des menschlichen Daseins, der Ton der Gedichte von Susanne Stephan nie wehleidig, nie verzweifelt, ganz im Gegenteil ist es gerade ihre Illusionslosigkeit, die ihr auch das Lächeln über die eigene Begrenztheit ermöglicht.« Jenny Erpenbeck

»Ihr gelingt ein anschaulicher Zugriff auf ihre Gegenstände, die zugleich intellektuell durchdrungen werden. Und das in einer klug reduzierten Sprache, die dem Leser genug zu denken gibt, ohne ihn durch allzu viele Verrätselungen zu verstimmen.« Stuttgarter Zeitung